Familienstiftungen Paul Wolfgang Merkel und Werner Zeller
 Unsere Familie


Gerhard "Hermann" ZELLER

Gerhard "Hermann" ZELLER[1, 2]

männlich 1949 - 2025  (75 Jahre)


Angaben zur Person    |    Medien    |    Notizen    |    Quellen    |    Alle    |    PDF

  • Name Gerhard "Hermann" ZELLER 
    Geburt 21 Sep 1949  Stuttgart,,,,, Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Geschlecht männlich 
    Tod 27 Jun 2025 
    Beerdigung 11 Jul 2025  Bietigheim-Bissingen,,,,, Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    • Trauerfeier in der Friedenskirche Bietigheim-Bissingen; Beisetzung auf dem Bergfriedhof in Tübingen
    Personen-Kennung I3986  Merkel-Zeller
    Zuletzt bearbeitet am 25 Mrz 2026 

    Vater Dr. med. Ulrich ZELLER,   geb. 13 Jul 1919, Aalen,,,,, Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ortgest. 30 Jun 2003, Ludwigsburg,,,,, Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort (Alter 83 Jahre) 
    Mutter Marie Luise BIRKHOLD,   geb. 10 Aug 1927, Oppenweiler,,,,, Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ortgest. 22 Mrz 1996, Besigheim,Ludwigsburg,Baden-Württemberg,Deutschland,, Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort (Alter 68 Jahre) 
    Eheschließung 25 Nov 1948  Waiblingen,,,,, Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Notizen 
    • Ausschnitt aus dem Neckar- und Enzbote Besigheim, vom 1.4.1987
      Die Patienten danken ihm
      Dr. med. Ulrich Zeller im Ruhestand
      Besigheim (m-r). - Was ein großer Kreis von Patienten empfindet und ausdrückt, kann der Besigheimer Arzt Dr. Ulrich Zeller am ersten Tag seines Ruhestandes nun auf einem Zinnteller nachlesen, den ihm Bürgermeister Werner Grau am Vormittag des gestrigen Dienstags überreichte: „Die Stadt Besigheim dankt Herrn Dr. Ulrich Zeller für die von großer Nächstenliebe und menschlicher Wärme geprägte ärztliche Betreuung der Besigheimer Bürgerschaft von April 1954 bis März 1987".
      Und auch Frau Marieluise Zeller darf sich über einen prächtigen Blumenstrauß freuen, denn sie war all die Jahre weniger Frau des Arztes, sondern „Arztfrau", was der Mediziner Dr. Zeller so ausdrückt: „Was ich geleistet habe, hätte ich nicht leisten können ohne meine Frau, die mir immer wieder Kraft gegeben hat und die ganze Zeit über voll in Aktion gewesen ist."
      Bei seinem Abschiedsbesuch in der Bietigheimer Straße bezeichnete Bürgermeister Werner Grau, der auch den Dank des Gemeinderats übermittelte, Dr. Zeller als „Arzt wie man ihn sich nur wünschen kann, stets hilfsbereit, vielseitig vorgebildet, ausgestattet mit großem Fachwissen und geprägt von hohem Idealismus". So sei Dr. Zeller nichts zuviel geworden, tagsüber nicht, nicht nachts und nicht am Wochenende.
      Und so kennen Ihn auch die Besigheimer und alle diejenigen der näheren und weiteren Umgebung, von Freudental bis Mundelsheim, die er in früheren Jahren betreut hat, als fähigen Arzt und von tiefer Humanität getragenen Menschen, wie sie die Familie Zeller seit Jahrhunderten prägt, aus der viele Beamte, Ärzte, auch Philosophen und rund 400 Theologen hervorgegangen sind.
      So stammt auch Dr. Ulrich Zeller aus einer Pfarrersfamilie. Er wurde geboren in Aalen und kam April 1954 von Waiblingen, wo der Vater als Dekan wirkte, nach Besigheim. Zunächst war er als Assistent tätig bei Dr. Hans Atzberger, der heute, 81jährig, in Murnau lebt.
      „Es war die Woche nach Ostern` erinnert sich Dr. Zeller, dessen Tätigkeits-Schwerpunkte im Bereich der Chirurgie, Gynäkologie und Geburtshilfe lagen. Und auch eine seiner ersten Geburtshilfen ist ihm noch in Erinnerung, als er mit seinem Motorrad und dem Geburtshilfekoffer im Rucksack durch hohe Geschwindigkeit in der Kirchstraße auffiel.
      Wie schon als Assistent, so übernahm Dr. Zeller vom erkrankten Vorgänger Dr. Atzberger im April 1959 mit der Praxis auch die Belegstation im Besigheimer Krankenhaus und wurde Bereitschaftsarzt des Roten Kreuzes. Diese Aufgaben behielt er bei, bis das Krankenhaus im März 1978 geschlossen wurde (*) und dem DRK stand er bis 1985 zur Verfügung. Zudem war Dr. Zeller von 1978 an Betriebsarzt bei der Walheimer Firma Sioux, die ihn vor einigen Tagen mit Worten großer Anerkennung und herzlichen Dankes verabschiedete. Mit der gleich großen Liebe, mit der Dr. Zeller über Jahrzehnte hinweg bei Hausgeburten half, mit gleicher Überzeugung rät er heute davon ab: „Weil ich von Geburtshilfe zuviel verstehe."
      Wer Dr. Ulrich Zeller kennt, wem seine Hilfe zuteil wurde, der weiß, wie sehr er sich als Arzt und Mensch seinen Patienten gewidmet hat. Licht in seiner Praxis bis in die Nacht hinein ist nur ein äußeres Zeichen dafür und so hat Dr. Zeller von der eigenen Gesundheit denen viel gegeben, die ihm das Vertrauen schenkten, ein Vertrauen, das er in ungewöhnlich hohem Maße rechtfertigte.
      Bei allem nicht vergessen werden darf die gleichermaßen aufopferungsvolle Tätigkeit von Frau Marieluise Zeller, nicht nur in der Praxis, während der zwölf Jahre ihrer Zugehörigkeit zum Kirchengemeinderat auch in anderer Weise für die Allgemeinheit, in einer Krisenzeit der evangelischen Kirchengemeinde, des Pfarrerproblems und richtungsweisender baulicher Aktivitäten wie Kindergarten Schimmelfeld und Kirchenrenovierung. Und all dies trotz der großen Familie mit fünf Kindern.
      Auch im Ruhestand will Dr. Ulrich Zeller nach hohem beruflichen Engagement nicht untätig sein: „Ich hab da ein paar Sachen im Hinterkopf wie Chroniken der „Ärzte in Besigheim". Zunächst einmal ist er jedoch froh, „einmal anders leben zu können, daß meine Frau entlastet wird und daß ich mich mehr meiner Familie widmen kann`. Was noch anstünden sind Haus und Garten sowie Freizeit im Wohnwagen im Schwarzwald. Wir wünschen Dr. Ulrich Zeller, daß er dies alles gesund und noch viele Jahre genießen kann.

      (*) Letzte Entbindung von ihm in diesem Krankenhaus war Florian Cramer (Anm. E. Brick)
    Familien-Kennung F1368  Familienblatt  |  Familientafel

  • Fotos
    Zeller Hermann 2025
    Zeller Hermann 2025
    Gerhard "Hermann" ZELLER, aus Nachrichten des Martinszeller Verbands, Nr. 54, 2025, S.64
    Zeller Hermann Todesanzeige
    Zeller Hermann Todesanzeige
    Gerhard "Hermann" ZELLER, Todesanzeige, aus Nachrichten des Martinszeller Verbands, Nr. 54, 2025, S.72

  • Notizen 
    • ZB 160; 145.21; Zell (ZeK) 15-1.1.1.2.8.2.1.5.9.1.7.3.2.1.; Kel 27- 1. 1. 1. 1. 1. 3. 1. 1. 1. 3. 3. 2. 3. 1. 1. 1. 1. 3. 4. 1. 1. 1. 7. 3. 2. 1.;
    • Nachrichten des Martinszeller Verbands, Nr. 54, 2025, S.64
      145.21 Hermann Zeller, geboren am 21.09.1949, ist am 27.06.2025 verstorben.
      Ansprache in der Trauerfeier für Hermann Zeller, am 11. Juli 2025, Friedenkirche Bietigheim-Bissingen, 11 Uhr.
      (Pfarrer Jonathan Pfander, Bietigheim Friedenskirche / Bruder Ulrich Zeller, Pfr.i.R.).
      Liebe Angehörigen, liebe Wegbegleiter von Hermann, liebe Trauergemeinde, es ist der 21. März 1965. Ein Jugendlicher sitzt in der Kirche in Besigheim. Er ist nicht allein. Im Gegenteil. Die Kirche ist gut gefüllt, denn heute ist ein großer Tag. Konfirmationsgottesdienst. Nach Monaten im Konfirmandenunterricht und vielen Stunden der Vorbereitung für den Festgottesdienst ist es heute soweit. Viele Jugendliche werden eingesegnet und bekommen die wohltuenden Worte Gottes im Segen zugesprochen. Der junge Mann, nennen wir ihn mal Hermann, hat sich auch auf diesen Tag gefreut. Nun ist er dran. Auch er kniet sich hin, hört die Segensworte, die über ihm gesprochen werden, bekommt heute ein biblisches Wort mit auf den Lebensweg, das ihn von jetzt an für immer begleiten soll.
      Psalm 68,20 und 21: Gelobt sei der Herr täglich. Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch. Wir haben einen Gott, der da hilft, und den Herrn, der vom Tode errettet.
      Liebe Trauergemeinde,
      was wird dem jungen Hermann in diesem besonderen Moment wohl durch den Kopf gegangen sein? Von einer Last wird da gesprochen, aber auch von einem helfenden Gott und einem, der sogar über dem Tod steht.
      Vermutlich werden dem jungen Hermann in diesem Moment nicht allzu viele Gedanken über den Bibelvers durch den Kopf geschossen sein. Wenn hunderte von Augenpaaren in diesem Moment auf einen gerichtet sind, dann ist das für einen 15jährigen Jugendlichen in dem Moment schon genug der Aufregung. Aber — so stelle ich es mir zumindest vor — in der kommenden Zeit und mit den Jahren wird Hermann Zeller sein Konfirmationsspruch immer mal wieder in den Sinn gekommen sein. Auch Sie, liebe Angehörigen, haben die beiden Psalmverse heute als Bibeltext für die Trauerfeier ausgewählt.
      Doch nicht nur ein biblischer Text soll heute Inhalt der Ansprache sein, sondern vor allem der Lebensweg von Hermann soll heute zu Gehör kommen. Eine ganz eigene Predigt ist so eine Lebensgeschichte immer. Gottes Geschichte, die er mit einem Menschen geschrieben hat. Lebensspuren, die ein Mensch hinterlassen hat.
      Wir hören deshalb nun in zwei Teilen einiges Biographische von Hermann Zeller, vorgetragen von seinem Bruder Ulrich.
      Biografischer Teil I - U. Zeller
      Unser Bruder Gerhard Hermann war der Älteste im Geschwisterkreis, im September 1949 geboren, als erstes Kind von Marieluise geb. Birkhold und Dr.med. Ulrich Zeller. 4 Geschwister folgten, 2 Mädchen, 2 Buben. Hannegret, Ursula, Ulrich und Gottfried. 1954 zog die Familie nach Besigheim, weil der Vater eine Hausarztpraxis übernahm.
      Hermann war kein pflegeleichtes Kind. Er tat sich in manchem schwer, was anderen in die Wiege gelegt war. Als er 10 Jahre alt war, hatte er eine Hirnhautentzündung, musste wochenlang im Krankenhaus liegen.
      Nach der Hauptschule besuchte er die weiterführende Schule zur Mittleren Reife und konnte eine Ausbildung als Industriekaufmann in Besigheim starten. In seiner Firma Weiler, später Cooper Tools arbeitete er über 40 Jahre bis zu seinem Ruhestand 2010. Zuletzt als Rechnungsprüfer und Sachbearbeiter für Zollangelegenheiten.
      Da wohnte er längst schon in Bietigheim, in der eigenen Wohnung in der Eisenbahnstraße. Hermann blieb ledig, er war ein Einzelgänger mit dem Bedürfnis, sich abzugrenzen; und gleichzeitig war er sozial vernetzt in den vielen Bereichen seines Lebens.
      Was hat er gern gemacht? Er war musikalisch, spielte in jungen Jahren gut Klavier. Er sang gern im Chor, zuerst in Besigheim, dann hier in seiner Gemeinde. Neben der Musik von J.S. Bach liebte er besonders die romantische Musik von Mendelssohn-Bartholdy, Chopin, Liszt, Smetana, Dvorak, und anderen. Das Oratorium Paulus von Mendelssohn-Bartholdy mitzusingen bei seinem geliebten Chorleiter Dieter Breuninger war ein Höhepunkt.
      Aber nicht nur ihre Musik, sondern auch die Biografien der Komponisten interessierten ihn. Für das Jahr 2024 hatten wir ihm ein Herrnhuter Losungsbüchle geschenkt, in das wir ihm ganz viele Geburtstage und Todestage von Komponisten eingezogen hatten. Er war begeistert. Aber halt, da fehlt noch die und der... und wir haben ergänzt und ergänzt.
      Fanny Mendelssohn verheiratete Hensel liebte er besonders, die Schwester des berühmten Felix, die ihre Kompositionen zuerst nicht veröffentlichen durfte, weil Vater und Bruder es nicht wollten. Aber sie hat es geschafft. Ihre Biografie und ihr Bild lagen bei Hermann obenauf.
      Hermann besuchte Städte, Dresden, Leipzig, Weimar, Eisenach auf einer Reise in den Osten. Wer war dieser Herr Semper, der die Oper gebaut hatte? Hermann machte sich schlau. Und er war immer bewegt an den Orten geschichtlicher dramatischer Ereignisse. Auf der Wartburg im Gedenken an Martin Luther, in Flossenbürg im Gedenken an den von den Nazis ermordeten Dietrich Bonhoeffer.
      Über die Zugreise nach Paris, die wir mit ihm zu seinem 60. Geburtstag unternahmen, hat er einen Reisebericht geschrieben; die Superlative darin überschlagen sich. Wie schnell fährt der TGV? Über 320 km/h. Fantastisch. Und ein besonderer Höhepunkt: Er legte auf dem Friedhof Père Lachaise rote Rosen auf die Gräber berühmter Persönlichkeiten, für Modigliani und dessen Verlobte (eine tragische Geschichte), für Oscar Wilde, Edith Piaf, George Bizet und, weil er ihn besonders verehrt, 2 Rosen für Frederic Chopin.
      Mit der Ludwigsburger Kreiszeitung fuhr er nach Israel, und wurde als alleinstehender Mann mit rabenschwarzem Haar vom Geheimdienst Mossad als Spion verdächtigt und verhaftet. Der Irrtum hat sich geklärt. Hermann kam zurück und konnte wieder begeistert erzählen.
      Unser Hermann war ein Eisenbahnfreund. In der Jugend mit der Modell-Eisenbahn mit Krokodillok, später mit dem Kursbuch in der Reisetasche. Noch im November wollte er unbedingt ein Kursbuch kaufen und schimpfte auf diese „Jodler" von der DB, die keines mehr drucken wollten. Er kannte viele Züge, woher sie kamen, wohin sie fuhren. Er redete mit dem Personal, durfte auch mal mitfahren, ganz vorne.
      Überhaupt sprach Hermann mit vielen Menschen. Er wollte wissen, wer ihm begegnete. Und ganz schnell hat er Menschen ins Herz geschlossen, die ihm freundlich begegnet sind, wie z.B. Bogclan und Chantal von der Diakoniestation.
      Schon als Dreijähriger fand er Briefmarken schön. Er fing an zu sammeln. Viele dicke Alben kamen zusammen. Und die Freude daran verknüpfte sich mit der Begeisterung für den Eiskunstlauf, den er gern im Fernsehen anschaute. Das Briefmarken-Album seiner Eislauf-Stars begleitete ihn bis ins Pflegeheim und in die Demenz. Günther sei Dank.
      Ja, über die Briefmarken ist eine tiefe Freundschaft entstanden mit Günther Döring und seiner Frau Andrea. Lieber Günther, Ihr habt dieses Hobby geteilt, Ihr wart gemeinsam bei Ausstellungen und Tagungen. Ihr seid Freunde geworden. Du warst Hermann ein treuer Freund, Hilfe und Stütze ganz besonders in den letzten Jahren. Du hast ihn aus vielen Nöten gerettet, und Du, Andrea, hast ihm öfters den Tisch gedeckt. Wir Geschwister danken Euch in dieser Stunde von Herzen!
      Hermann war ein beliebter Onkel. Mit den Nichten und Neffen spielte er, und er war für alles zu haben, was Kinder gerne machen, bis zum Schminken, nicht nur beim Fasching. Von Nichten und Neffen bekam er jetzt ein großes Lob: Er hat immer Zeit für uns gehabt. Hermann war hilfsbereit, sich für keine Arbeit zu schade. Er half besonders gern in Ludwigsburg bei Hannegrets Familie, ging mit zur Waldarbeit oder Apfelernte auf den Württemberger Hof. Wenn es ihm gesundheitlich möglich war, kam er, wenn man ihn brauchte. In Hannegrets Familie war er zuhause, selbstverständlich bei Geburtstagen und oft sonntags dabei. Ihr Nichten und Neffen habt ihn geholt und heimgebracht, als er kein Auto mehr hatte.
      Liebe Hannegret, Du warst für Hermann Jahrzehnte lang die wichtigste Anlaufstelle, mütterliche Schwester in der Fürsorge, Feuerwehr, wenn es irgendwie brannte; wie oft hast Du ihm einen Koffer ins Krankenhaus gebracht, ihm Kleider gerichtet vor einem Fest. Nicht immer zu seiner Freude, er konnte dich angiften — aber alles in allem war er froh über deine Hilfe. Wir anderen Geschwister sind Dir und Deiner Familie dafür sehr dankbar.
      Morgen ist Dein Geburtstag, lieber Christoph. Hermann hat Dich besonders ins Herz geschlossen und bis zuletzt großen Anteil genommen an Deiner schweren Erkrankung. Du bekommst morgen ein schönes Geburtstagsgeschenk, dafür sorge ich in Hermanns Namen.
      Glückliche Tage für Hermann, wenn die schönen Seiten seines Lebens im Vordergrund standen. Immer war er dankbar. Weil vieles für ihn nicht selbstverständlich war.
      Biographischer Teil 2— U. Zeller
      Wir kennen unseren Hermann auch von einer anderen Seite. Besonders wenn er sich angegriffen fühlte oder kritisiert wurde, dann schimpfte er und war wütend. Dann knallten die Türen, schon im Elternhaus. Er konnte destruktiv werden und streiten, auch in der Nachbarschaft. Es gab diese dunklen Mosaiksteine in seinem Lebensbild.
      Aber Hermann konnte nach einem Streit wieder neu anfangen. Ich will mit anderen im Frieden leben, sagte er. Auch Nachbarn sind heute gekommen. Ihnen allen danken wir, dass Sie unserem Bruder trotz mancher Streitigkeiten und Zumutungen gut waren und ihn mochten, wie mir gesagt wurde.
      In den letzten Jahren war Hermann zunehmend überfordert mit der Alltagsbewältigung. Er brauchte Hilfe. Seine Wohnung war ein einziges Chaos. Dreimal täglich kamen Mitarbeitende der Diakoniestation und kontrollierten die Medikamente; Essen auf Rädern brachte eine warme Mahlzeit am Tag.
      Im September kam der große Einbruch — nach einer Lungenentzündung konnte er nicht mehr zurück in seine Wohnung. Und die Demenz schritt rasant voran. Nach einigen Wochen bei Hannegret in Ludwigburg und bei uns in Rottenburg konnten wir in unserer Nähe einen Platz in einer Pflege-WG finden.
      Hermann war zwar nicht glücklich, aber tapfer. Das Bild auf dem Faltblatt entstand am Tag seines Einzugs dort. Als es auch dort nach 5 Monaten nicht mehr ging, musste er zum 1. April ins Pflegeheim umziehen. Da war er schon so schwach und orientierungslos, dass er bei allem Hilfe brauchte. Wir haben ihn fast täglich begleitet und er hat mich bis zum vorletzten Tag erkannt.
      Am 27. Juni ist Hermann gestorben, nachdem er tagelang das Essen und Trinken verweigerte. Er konnte nicht mehr schlucken. Eine Folge seiner Demenz.
      Eine letzte Seite will ich ansprechen, sie bündelt alles: Von Kindheit an ist Hermann in unserem Glauben aufgewachsen. Nach der Konfirmation wurde er Kinderkirchhelfer. Aus dieser Jugendzeit in der Kirchengemeinde stammt die jahrzehntelange Freundschaft mit Uli Laitenberger und seiner Frau Edeltraud. Ihr beide wart für Hermann ebenfalls ein großes Geschenk im Leben.
      Und als er Pate werden durfte bei Dir, Cathleen, hat er sich riesig gefreut und war stolz. Wie schön, dass Ihr da seid. Von Herzen Danke für alles!
      Hermann hat mit dem Glauben und mit Gott immer gekämpft. Er konnte hadern und schimpfen: Warum hat der da oben mir den Diabetes auf den Hals geschickt!?
      Aber trotz aller Rebellion suchte und fand Hermann eine tiefe Geborgenheit bei Gott. Er betete jeden Abend und sagte anderen, wenn sie krank waren: Ich schließe dich in mein Nachtgebet ein. Er hat für viele gebetet.
      Hermann kannte viele Lieder und Chorsätze auswendig. Nun lasst uns Gott, dem Herren, Dank sagen — er hat noch im März den Tenor mitgesungen. Da konnte er keinen vollständigen Satz mehr sprechen. Aber mehrere Strophen singen, mit mir im Tenor.
      Ganz oft hörte er in den letzten Monaten die tröstliche Musik von Mendelssohn-Bartholdy: Hör mein Bitten. Wirf dein Anliegen auf den Herrn. Er hat mitgesungen und mit dirigiert und hatte Tränen in den Augen. In der Kirchenmusik konnte er sich bergen, wie in einem warmen Mantel.
      Als ich mit ihm vor gut zwei Jahren in einer Krise seines Lebens redete, überraschte er mich plötzlich mit einem Zitat des berühmten Schweizer Theologen Karl Barth: „Wenn ich eines Tages vor meinem Herrn und Richter zu stehen habe, werde ich nicht mit meinen Büchern kommen, sondern mit der Bitte: Sei mir Sünder gnädig!"
      Dieses Zitat hat Hermann auf sich übertragen.
      Er hat trotz aller Zweifel, trotz aller Brüche im Leben gewusst, dass Gottes Liebe groß genug ist, auch für ihn.
      Wir dürfen darauf vertrauen, dass Hermann Zeller nun bei Gott geborgen ist und er ihn für immer hält. Das macht auch das folgende Gedicht deutlich, dass ich nun zum Schluss vorlesen möchte:

      Der Tod hat nicht das letzte Wort.
      Das Leiden hat ein Ende.
      Einmal wischt Gott die Tränen fort.
      Wir fall'n in seine Hände.
      Bei ihm sehn wir uns wieder.

      Der Tod ist nicht der letzte Schritt.
      Wir gehen nicht verloren.
      Weil Christus lebt, nimmt er uns mit.
      Wir werden neu geboren.
      Bei ihm sehn wir uns wieder.

      Der Tod spielt nicht den Schlussakkord.
      Wir hören neue Lieder.
      Gott spricht zu uns sein Lebenswort.
      Bei ihm sehn wir uns wieder.
      Amen.

  • Quellen 
    1. [S27] FaberChron, (Herausgeber: Faberverein).

    2. Zeller aus Martinszell.