Stiftungen Paul Wolfgang Merkel und Werner Zeller
Unsere Familie

Wilhelm WEISCHEDEL[1]
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Name Wilhelm WEISCHEDEL Geburt 11 Apr 1905 Frankfurt/Main
Geschlecht männlich Beruf Professor für Philosophie Tod 20 Aug 1975 Berlin
Personen-Kennung I213962 Merkel-Zeller Zuletzt bearbeitet am 8 Sep 2026
Vater Wilhelm Gotthilf WEISCHEDEL, geb. 14 Apr 1873, Stuttgart-Feuerbach
gest. 10 Okt 1958, Wuppertal-Elberfeld
(Alter 85 Jahre)Mutter Katharina Martha BEUTTER gest. 10 Okt 1958, Wuppertal-Elberfeld 
Eheschließung 2 Okt 1902 Heilbronn
Familien-Kennung F73261 Familienblatt | Familientafel
Familie 
Käte GRUNEWALD Familien-Kennung F46320 Familienblatt | Familientafel Zuletzt bearbeitet am 8 Sep 2026
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Notizen - Wilhelm Weischedel wurde am 11. April 1905 in Frankfurt am Main geboren. Er wuchs in einem streng pietistischen, schwäbischen Elternhaus auf. Als echter Schwabe, worauf er gerne anspielte, fand sich bei ihm ein Hang zum Grübeln, der sich mit der Lust am Paradox verbindet. Nach dem Schulbesuch in Stuttgart, Reutlingen und Elberfeld studierte Weischedel in Marburg Theologie bei Paul Tillich, Rudolf Bultmann und anderen. Bald darauf begann er sein Philosophiestudium, hörte bei Nicolai Hartmann und zumal bei Martin Heidegger. Nach zwei Semestern in Leipzig und einem weiteren in Berlin kehrte Weischedel nach Marburg zurück, teilte er doch die verbreitete Euphorie für Heidegger und für ˜Sein und Zeit". 1930 folgte Weischedel Heidegger nach Freiburg und arbeitete an seiner Dissertation. Frühzeitig entschied er sich gegen den Nationalsozialismus, wenngleich dieses Engagement, wie er selbst distanziert bemerkt im wesentlichen in der Abfassung und Verteilung von verhältnismäßig zahmer Flugblätter bestand. 1933 wurde Weischedel mit der Arbeit ˜Das Wesen der Verantwortung" von Heidegger promoviert. Zugleich trat eine Entfremdung zu seinem Lehrer ein, die auch nach dem Krieg, wie er erwähnt, nur schwer zu überwinden war.
Aufgrund seiner politischen Einstellung und Betätigung waren Weischedel alle Chancen in der akademischen Welt, der öffentlichen Vortragsarbeit und in Presse und Rundfunk versperrt. Er musste sich mit Aushilfstätigkeiten in einer Bibliothek in Tübingen und später in einem Wirtschaftsberatungsunternehmen durchschlagen. In diese Zeit fiel auch die Heirat mit der promovierten Germanistin Frau Käte Weischedel geb. Grunewald. Nebenbei entstand die Habilitationsschrift ˜Aufbruch der Freiheit zur Gemeinschaft".
Gegen Kriegsende hielt sich Weischedel in Frankreich auf, wo er in Zusammenarbeit mit der französischen Résistance, zwischen Deutschland und Frankreich vermittelnd, einigen jüdischen Familien zur Flucht verhelfen konnte. Der Verhaftung durch die Gestapo knapp entkommen, versteckte sich Weischedel in Südfrankreich.
Erst nach dem Krieg konnte Weischedel seine philosophische Arbeit in Tübingen fortsetzen. Nach seiner Probevorlesung, die offenbar die erste akademische Vorlesung nach dem Ende des Dritten Reiches war, hielt Weischedel Vorlesungen und Übungen an der Evangelischen Theologischen Fakultät. Nach etwa eineinhalb Jahren wurde Weischedel in der neu gegründeten Philosophischen Fakultät zum planmäßigen außerordentlichen Professor ernannt. In der Zeit als Lehrstuhlinhaber in Tübingen begann Weischedel, die Geschichte der Philosophie zu durchforschen und die Grundgedanken der jeweiligen Ansätze herauszuarbeiten, um dann, in systematischer Absicht,"eine haltbare Basis, auch für das eigene Philosophieren zu finden."
1953 wurde Weischedel an die Freie Universität Berlin berufen, die er als Keimzelle neuer akademischer Formen ansah. Als wichtige Kollegen dort nennt er Helmut Gollwitzer, zu dem sich eine Freundschaft entwickelte, Dieter Henrich und Alexander und Gesine Schwan. Auch weist Weischedel in seiner Autobiographie auf seine damaligen Assistenten Margherita von Brentano, Norbert Hinske, Wolfgang Müller-Lauter und Michael Theunissen hin.
Im Wintersemester 1963/64 fand an der Freien Universität Berlin eine Doppelvorlesung mit H. Gollwitzer statt, die sich mit dem Thema ˜Denken und Glauben" befasst. Weischedel bestand auf eine klare Trennung von christlicher Theologie und philosophischer Theologie, wohingegen Gollwitzer für eine Versöhnung der beiden Perspektiven plädierte.
Die Studentenrevolte erlebte Weischedel in drei Phasen. Zuerst stand für die Studenten das Ziel im Vordergrund, Einfluss auf die bisher fast ausschließlich durch die Ordinarien bestimmte Universität zu erhalten, was Weischedel unterstützte. Die zweite Phase war durch den Einsatz von Mitteln geprägt, wie beleidigende Flugblätter, Hausbesetzungen, Zerstörung von Arbeitsmitteln, Insultierung von Professoren und die inzwischen mythisch gewordenen Farbeier, die Weischedel ablehnte. Die dritte Phase, in der mit allen Mitteln die maßgeblichen Stellen der Universität mit Persönlichkeiten marxistischer Prägung besetzt werden sollten, bewirkte bei Weischedel, dass er sich enttäuscht aus der aktiven Universitätspolitik zurückzog.
Nach der Emeritierung 1970 arbeitete Weischedel an der 1971/72 erschienenen zweibändigen Untersuchung zur Philosophischen Theologie. Den ˜Gott der Philosophen" kann man als das Hauptwerk Weischedels bezeichnen.
Wilhelm Weischedel verstarb am 20. August 1975 in Berlin.
Neben seinen Veröffentlichungen ist der wissenschaftliche Nachlass Weischedels, der in der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz verwaltet wird und über 60 Ordner bzw. Kästen umfasst, die Dokumentation eines ungemein philosophisch geistesgegenwärtigen, sehr facettenreichen und politisch-ethisch engagierten Denklebens, dessen Bedeutung und Aktualität weit über die deutsche Existenzphilosophie hinausgreift.
- Wilhelm Weischedel wurde am 11. April 1905 in Frankfurt am Main geboren. Er wuchs in einem streng pietistischen, schwäbischen Elternhaus auf. Als echter Schwabe, worauf er gerne anspielte, fand sich bei ihm ein Hang zum Grübeln, der sich mit der Lust am Paradox verbindet. Nach dem Schulbesuch in Stuttgart, Reutlingen und Elberfeld studierte Weischedel in Marburg Theologie bei Paul Tillich, Rudolf Bultmann und anderen. Bald darauf begann er sein Philosophiestudium, hörte bei Nicolai Hartmann und zumal bei Martin Heidegger. Nach zwei Semestern in Leipzig und einem weiteren in Berlin kehrte Weischedel nach Marburg zurück, teilte er doch die verbreitete Euphorie für Heidegger und für ˜Sein und Zeit". 1930 folgte Weischedel Heidegger nach Freiburg und arbeitete an seiner Dissertation. Frühzeitig entschied er sich gegen den Nationalsozialismus, wenngleich dieses Engagement, wie er selbst distanziert bemerkt im wesentlichen in der Abfassung und Verteilung von verhältnismäßig zahmer Flugblätter bestand. 1933 wurde Weischedel mit der Arbeit ˜Das Wesen der Verantwortung" von Heidegger promoviert. Zugleich trat eine Entfremdung zu seinem Lehrer ein, die auch nach dem Krieg, wie er erwähnt, nur schwer zu überwinden war.
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Quellen - [S180] Kirner-GenPlus-Datei.
- [S180] Kirner-GenPlus-Datei.
